Franz-Marc-Strasse 4, 50999 Köln
0221 / 98 54 80-11
rombach@derboersebius.de

Wirecard, was nun? Zocker, Zunder, Zahlenspiele.

Wirecard, was nun? Zocker, Zunder, Zahlenspiele.

Diese Woche steht das Telefon nicht still. Der Emailbriefkasten ist voll. Das Thema: Wirecard, was nun? Jetzt noch einsteigen, jetzt erst recht einsteigen, Knall auf Fall aussteigen, bischen mitzocken, verstehen wollen, was da alles abgeht, waren so die Schwerpunkte.

Es steht einem DAX-Wert nicht gut zu Gesicht, an einem einzigen Börsentag einen zweistelligen Kursverlust zu erleiden, genau das ist dem Zahlungsverkehrsdienstleister nun schon mehrfach passiert. Was sich allerdings letzte Woche abspielte, hatte durchaus dramatische Züge.

Auf die Meldung von Unregelmäßigkeiten in Asien brach der Kurs um 25 Prozent ein und das hatte vor allem damit zu tun, daß der Unheilbringer die Financial Times (FT) war und die News somit einen seriösen Anstrich aufwies.

Wie es aber aussieht, war es nicht so weit her mit der Seriosität. Anscheinend ist die FT auf einen ziemlich abgekochten Leerverkäufer hereingefallen und so kam es diese Woche wieder zu stark steigenden Kursen in der Wirecard Aktie. Wohl auch, weil das Management in einem relativ überzeugenden Statement die Märkte wieder beruhigen konnte. Nebst Strafanzeige gegen Unbekannt plus Ermittlungen durch die Aufsichtsbehörden. Also richtig Zunder für den Leerverkäufer.

Bei dem ganzen Schlachtenlärm wird meines Erachtens der Blick auf das Wesentliche verstellt oder getrübt. Zunächst einmal ist das Unternehmen viel zu schnell gewachsen und hat immer noch die Struktur eines Mittelständlers. Etwa hundert Tochtergesellschaften bringen einfach ziemlich viel Intransparenz. Von Compliance und ausgereifter Öffentlichkeitsarbeit ist bisher nichts oder nicht viel zu sehen.

Das Wachstum von Wirecard ist nach wie vor bewundernswert, ehrlich jetzt. Wirecard jagt Unsummen in bis zu 180 Währungen durch den Globus. Und kassiert dafür Gebühren. Aber, aber aber: es gibt überhaupt kein Alleinstellungsmerkmal, keinen USP (Unique Selling Point). Von heute auf morgen könnte es ein anderes Unternehmen „besser“ machen und dann ist schon Schluß mit lustig. Das macht mir echt Sorgen.

Was bleibt?

Fazit Eins. Es war vor ein paar Monaten eine ziemlich gute Entscheidung, die Wirecard Aktien aus meiner Börsebius Top Ten Masterliste zu werfen. Die Begründung können Sie, wenn Sie wollen, im Archiv nachlesen.

Fazit Zwei: Die Aktie ist heiß. Für konservative Anleger nicht geeignet. Wer allerdings Lust hat, mal schnell zehn oder zwanzig Prozent Gewinn zu machen, bitte nur zu. In einer Bandbreite zwischen 100 und 200 Euro kann der Kurs durchaus zweistellig rauf und runter gehen und das auch mehrfach hintereinander.

Gewinnchancen und Verlustrisiken sind hier wunderschön vorhanden und zwar in etwa gleichen Größenordnungen. Die nächste Attacke auf den Kurs von Wirecard kommt sicher. Wer Verluste nicht aushält, ist also fehl am Platze. Zocker sind auch nur Menschen. Aber sicher keine strategischen Anleger.

Bleiben Sie mir gewogen, ich bin es auch.
Über Anregungen für Themenvorschläge freue ich mich sehr.

Stets, Ihr
Reinhold Rombach
„Börsebius“