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Vom Wachsen und Gedeihen… Gedanken zur Börsebius TopTen Masterliste

Vom Wachsen und Gedeihen… Gedanken zur Börsebius TopTen Masterliste

Manchmal hilft auch ein Blick zurück. Was hatte ich nochmals geschrieben, als ich die letzte Börsebius TopTen Masterliste im Herbst/Winter 2019/2020 zu Papier gebracht hatte?

„Vorweg: In der neuen Masterliste dominieren Pharmaaktien und Medizintechnik. Ist diese Übergewichtung wirklich eine gute Idee? Ja, ist es. Nach wie vor zeigt das Konjunkturbarometer stürmische Zeiten an. Hier gilt es also, sich mit defensiven Werten gegen mögliche fallende Indices abzusichern. Dennoch wollen wir ein waches Auge auf Stock-Picking-Titel richten und der eine oder andere Wert kann durchaus auch mal schnell in die Masterliste reinkommen.“

Wie wir alle wissen, war die Fokussierung auf Pharmaaktien und Medizintechnik im Nachhinein genau richtig.

Nun bin ich also mit meinen Gedanken bei der Aktualisierung der Börsebius TopTen Masterliste. Die Überlegungen wachsen und reifen, bei manchen Ideen bin ich mir indes noch nicht sicher, ob sie gedeihen können, zu unsicher die Zeiten, zu schwierig die Ausgangslage.

Auf der anderen Seite, vom sicheren Hochsitz zu schießen ist einfach, des Anlegers Not aber in schwierigen Zeiten zu befriedigen ist eine durchaus ehrenwerte Aufgabe. Wohlan denn.

Fangen wir aber erst mal bei den Aktien an, um die ich im Moment eher einen großen bis riesengroßen Bogen machen würde. Also, ich finde, daß derzeit Bankaktien nicht unbedingt ein Depot sehr schmücken, ganz im Gegenteil. Ebenso würde ich Luftfahrtaktien meiden und bei Maschinenbauwerten ist auch eher Zurückhaltung angesagt, bei Automobilzulieferern erst recht.

Ganz allgemein gesprochen bin ich nach wie vor dafür, Pharmaaktien und Medizintechnik zu favorisieren, aber auch Telekommunikationswerte (vor allem die Deutsche Telekom), Versorger und Konsumtitel gehören in die engere Auswahl von möglichen KandidatenWas ist mit Bayer? Ich weiß, daß sich viele Börsianer mit Bayer schwertun, vor allem das Thema Glyphosat schreckt viele ab. Dennoch finde ich die Aktie im Moment echt einer Überlegung wert, genauer sogar zwei.

Zunächst einmal sieht es so aus, als sei die Riesenklage in den USA mehr oder weniger beherrschbar, weil im Grunde vom Tisch. Das ist an sich schon mal ein gutes Kaufsignal für den Leverkusener Konzern.

Im positiven Sinne kommt noch hinzu, daß Bayer mit dem Wirkstoff Chloroquin (ein immer noch aktuelles Mittel gegen Malariaprophylaxe) möglicherweise jetzt schon „Resochin“ gegen Covid-19 einsetzen kann/könnte. Allerdings ist die Studienlage bislang eher mickrig und der einzige Chefarzt der Chloroquin bejubelt, ist Donald Trump und, ähm, der Bayer Chef Werner Baumann, wenn auch etwas dezidierter.

Nun muss natürlich auch aufgepasst werden, daß derzeit viele auf den fahrenden Anleger-Meinungs-Zug „wer profitiert von Corona?“ aufspringen. Nicht jede Aktie hat das Zeug zu einem Outperformer und sicher gibt es in dem einen oder anderen Fall auch später mal enttäuschte Erwartungen.

Erstaunlicherweise höre ich zum Thema Corona wenig zu SLM Solutions. Die Aktie ist in den letzten Wochen und Monaten arg unter die Räder gekommen, ach, was sage ich, geradezu zerfetzt worden. Das hat wohl auch damit zu tun, daß der  Eigentümer von SLM Solutions sich von einem Großteil seiner Aktien getrennt hat, aber eben nicht von allen.

In jüngster Zeit wird allerdings immer öfter geschrieben, daß gerade die 3D Technik – in der SLM Solutions übrigens führend ist – geeignet  ist, medizinisches Equipment in Sachen Corona möglichst schnell und vergleichsweise günstig herzustellen. So gesehen würde ich den Wert erstens zur genaueren Betrachtung empfehlen und zweitens mal schön brav in meiner Masterliste drin lassen.

Der Schluss dieser Kolumne gebührt jedoch Immanuel Kant und seiner „Nachricht an Ärzte“. Mehr als zweihundert Leser haben den Aufsatz „Die Bedeutung einer Epidemie für die Entwicklung der Menschheit“ erbeten. Und auch mittlerweile von mir bekommen.

Die Mühe habe ich mir wirklich gerne gemacht.  Ehrlich gesagt habe ich mit so einem überwältigendem Echo nie und nimmer gerechnet. Dafür mein kategorischer Dank an Sie alle.

Bleiben Sie mir gewogen, ich bin es auch.
Über Anregungen für Themenvorschläge freue ich mich sehr.

Stets, Ihr
Reinhold Rombach
„Börsebius“