Viel Wind um Wind… Oder warum Windenergieaktien nicht immer der Weisheit letzter Schluss sind

Viel Wind um Wind… Oder warum Windenergieaktien nicht immer der Weisheit letzter Schluss sind

 

Nachhaltigkeit ist das Gebot der Stunde. Da liegt es nahe, sich in Aktien zu verlieben, die mit Windenergie zu tun haben. Das Gebot der Stunde ist also gewissermaßen zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, zum einen etwas für die Umwelt zu tun und zum anderen dabei auch noch fette Gewinne einfahren.

Das hat in diesem Jahr auch wunderbar funktioniert. Windenergie im Depot brachte den Anlegern alleine in 2020 satte Kursgewinne ein. Teilweise verdoppelten sich die Notierungen. Das hat freilich auch seine Ursachen. Verstärkte Anstrengungen allerorten zur Eindämmung des Klimawandels haben der Branche hohe Wachstumsraten beschert.

Und nun auch noch Joe Bidens Wahlsieg. Der brachte den Windturbinenherstellern noch zusätzlich Wind unter die Rotoren. Die Marktteilnehmer nehmen also jetzt schon eine Wende in der Klimapolitik vorweg, die USA treten aller Voraussicht nach wieder dem Pariser Klimaschutzabkommen bei und Bidens „Green Deal“ verspricht staatliche Förderungen bis zu 1,7 Billionen US-Dollar.

Also, Leute, kauft jetzt alles, was irgendwie mit Windenergie zu tun hat?

Falsch, falsch, falsch. Wenn ich in den letzten 30 Jahren an Börsenarithmetik und Finanzmarktpsychologie etwas gelernt habe, dann das: Was der Markt weiß (und ahnt) ist in den Kursen bereits drin. Fachleute bezeichnen das mit dem schönen Ausdruck „eskomptiert“.

Was dieses „eskomptiert“ heißt, zeigt sich in den KGV´s von Nordex, Siemens Gamesa und Vestas. Deren Kurs-/Gewinnverhältnisse liegen zwischen 22 (Nordex) und 38,4 (Siemens Gamesa) auf Basis der Gewinne für nächstes Jahr und das ist schon recht hoch. Und wer spricht davon, daß der Markt einem scharfen Wettbewerb unterliegt? Ich schon, General Electric etwa wetzt derzeit schon die Messer, pardon die Windräder.

Zurück zu der Tatsache, daß alles, was der Markt weiß oder ahnt, in den Kursen bereits enthalten, also „eskomptiert“ ist. Das wird wohl auch so für Windenergie-Aktien sein. Es kann zwar immer noch sein, daß der Markt in diesem Bereich noch etwas weiter nach oben läuft, aber doch schon mit gebremstem Schaum und eben mit einer gehörigen Portion Ungewissheit plus Rückschlagpotenzial.

Wer also Aktien aus dieser Branche hat, sollte sich über seine Gewinne nicht nur freuen, sondern auch an Gewinnmitnahmen denken. Und wer sie nicht hat, sollte sich nicht grämen, sondern auf bessere Einstiegskurse warten, die meines Erachtens noch kommen werden.

Bloß ein gutes Gefühl in Sachen Nachhaltigkeit und Green Deal bringt noch lange keine gute Rendite. Das gute Timing gehört auch dazu. Zwingend.

Bleiben Sie mir gewogen, ich bin Ihnen ebenso verbunden.

Über Anregungen für Themenvorschläge freue ich mich sehr.

Stets, Ihr

Reinhold Rombach

„Börsebius“

 

TAGS: Nachhaltigkeit, Windenergie, Umwelt, Windturbinenhersteller, Klimawandel, Windräder, Pariser Klimaschutzabkommen, Börsenarithmetik, Green Deal, Joe Biden, Windenergie-Aktien, Klimaschutz, Nordex, Siemens Gamesa, Vestas, General Electric

 

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