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RWE und Eon, was nun? Kurzschluss inklusive.

RWE und Eon, was nun? Kurzschluss inklusive.

Kaum tickerten und sickerten die Nachrichten von der brandaktuell geschmiedeten Energie-Allianz von RWE und Eon in die Öffentlichkeit, glühten hier gewissermaßen schon die Drähte. Wohl auch deswegen, weil Tagesthemen und die Heute Redaktion ebenso die Neuigkeit vermeldeten wie eben auch Gott und die Welt. Die zentrale Frage, die vielen Anrufern auf den Nägeln brannte: Kaufe ich jetzt RWE oder Eon oder sind gar beide Aktien ab sofort ein Muss?

Das vorneweg. Erst mal halblang mit den jungen Pferden. Diese Entscheidung muss erst mal genau geprüft und dann gewogen werden.

Was genau ist geschehen? In aller Kürze: Die EU-Kommission genehmigte jüngst die Zerschlagung von Innogy. Ja, genau, die vor drei Jahren noch mit großen Erwartungen an die Börse gingen.

Nun also wird der Energie-Markt komplett auf zwei große Player aufgeteilt. Eon wird Europas größter Stromverteiler und RWE Europas drittgrößter Ökostromerzeuger. Und Innogy muss dran glauben, wird zerschlagen.

Der eine verteilt, was der andere herstellt. In dieser Einfachheit liegt ein gewisses Faszinosum für die Börsianer. Klare Struktur, jeder hat´s begriffen, also kaufen. Am besten beide Aktien, die von RWE und Eon. Ist das wirklich so einfach?

Ist es natürlich nicht.

RWE (Innogy ist weg) tauscht ehemals sichere Dividenden (die von Innogy nämlich) gegen unsichere Erträge aus erneuerbaren Energien.

Und Eon? Die bekommen Innogy und damit sichere Dividenden, türmen dafür aber einen Schuldenberg von etwa 35 Milliarden Euro auf. Wenn dann irgendwann die Zinsen steigen (glauben Sie mir, irgendwann kommt die Wende), hat Eon ein Riesenproblem an der Backe.

Nach all den Abspaltungen, Fusionen, vermeintlich strategisch richtigen Käufen, die sich im Nachhinein als Quatsch erwiesen, ist nur eines sicher: Ein Herr von Beratern hat sich mehrere goldene Nasen verdient, Investmentbanker eingeschlossen. Ob das neue Konstrukt eine Zukunft hat, muss sich erst noch zeigen. Ich habe da echt meine Zweifel. Wenn ich die Wahl zwischen Pest (RWE) und Cholera (Eon) hätte, würde ich doch eher die Pest wählen. Aber ungern.

Wer Aktien von RWE und Eon jetzt kauft, muss mindestens einkalkulieren, daß ein Kurzschluss jederzeit möglich ist. Und das kann in einem dann rauen Börsenklima doppelt wehtun.

Bleiben Sie mir gewogen, ich bin es auch.

Über Anregungen für Themenvorschläge freue ich mich sehr.

Stets, Ihr
Reinhold Rombach
„Börsebius“