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Drama, Tränen, Dunkle Zeiten? So gefährdet ist unser Geld

Drama, Tränen, Dunkle Zeiten? So gefährdet ist unser Geld

Da bin ich wieder. Ja, der Urlaub war schön und ich hoffe, daß Sie sich ebenso erholt haben wie ich auch. Wenn Sie wissen wollen, was ich gemacht habe, verrate ich es Ihnen gerne.

Also, ich bin nach Vilnius geflogen und habe mich da auf einen Drahtesel gesetzt und bin in 7 Tagen von der litauischen Hauptstadt die Memel entlang (heute Nemunas) bis an die Ostsee geradelt. Übrigens meine allererste Fahrradtour und erst durch Corona mangels Tennis auf den Geschmack gekommen. Im Gepäck auch noch den treusorgenden Rat meiner Reiseleiterin Birute, ob ich mir das in meinem Alter wirklich zutraue und, echt jetzt, ich wäre nicht der Erste, der die Tour mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu Ende gebracht habe.

Ich für meinen Teil habe das aber eher als Ansporn gewertet und natürlich bin ich durch eigene Muskelkraft höchstselbst – und ohne Akku bitteschön – binnen Wochenfrist auf der Kurischen Nehrung in Nida angekommen und wurde dort von meiner Familie aufrichtig und fürsorglich in die Arme geschlossen. Naja, ein wenig kaputt war ich schon.

Warum ich ihnen das erzähle? Nun, wenn Sie eine Woche durch eine der schönsten Gegenden Europas fahren und dabei mit Wind und Regen kämpfen, aber dann wieder atemberaubende Landschaften und bezaubernde Örtchen auf den Spuren auch deutscher Geschichte erleben, kommen Sie einfach sprichwörtlich wieder auf die Erde, auf den Boden gewissermaßen und fangen an, über Dinge nachzudenken, für die ansonsten weder Zeit noch Raum ist.

Je länger die Fahrt dauerte umso mehr fokussierten sich meine Überlegungen auf die nahe und weitere Zukunft der Finanzmärkte. Nicht nur mit dem Skandal um Wirecard ist mir klar geworden, wie sehr einiges aus den Fugen geraten ist. Und das ist sogar noch eine Petitesse angesichts der ungezügelten Geldmassen, die rund um den Globus geschaffen werden. Billionen neuer Schulden werden um die Welt gejagt, als gäbe es kein Morgen mehr.

Kein Morgen mehr? Von wegen!

Genau das ist ja auch das fürchterliche Dilemma, daß es angesichts der Corona Krise und deren wirtschaftlicher Folgen gar keine andere Wahl gab, als die Märkte mit noch mehr Liquidität zu versorgen. Nur, die Probleme hatten wir schon vor Corona und jetzt sind sie eben nur noch gefährlicher geworden. Es bringt auch nichts darüber zu lamentieren, ab welcher Höhe die Geldflut wirklich gefährlich wird. Dieser Rubikon ist längst überschritten. Die Brandgefahr ist quasi jetzt schon zu riechen.

Genau diese besagte Kapitalflut wird über kurz oder lang die Inflation anheizen und das nicht zu knapp. Das frisch geschaffene Geld wird – unter anderem – sicher dazu führen, daß mehr für Güter des täglichen Bedarfs bezahlt werden muss, das auch deswegen, weil viele Produktionskapazitäten aufgrund von (kommenden) Firmenpleiten schlichtweg fehlen werden.

Was aber auf lange Sicht noch ein vermutlich schlimmes Ende haben kann ist die fehlende Haushaltsdisziplin vieler Staaten, wenn die Volkswirtschaften wieder einigermaßen im Lot sind. Dann haben sich viele Staaten dermaßen an das ungezügelte Schuldenmachen gewöhnt, daß der – eigentlich dringend erforderliche – fiskalpolitische Rückwärtsgang schlichtweg verloren gegangen sein wird. Oder politisch nicht durchsetzbar.

Der Nobelpreisträger Eugene Fama („Die Zentralbanken haben die Kontrolle über die Inflation total verloren“) hat mir jüngst aus dem Herzen gesprochen, als er in der NZZ genau dieses Problem für die Zukunft als realistisch benannte. Und auch als Bedrohung. Der Mann hat so verdammt recht.

Es entbehrt auch nicht einer gewissen Tragik, daß die Bundesbank erst vorgestern die Schuldenaufnahme der EU in Höhe von 750 Milliarden Euro als „bedenkliches Novum“ bezeichnete. Warum tut sie das und warum tut sie das gerade jetzt? Bloße Effekthascherei sicher nicht. Immerhin kann sie später sagen, sie hätte ja rechtzeitig gewarnt.

Aktienmärkte bleiben erst mal top

Das süße Gift überschießender Liquidität und komplett irrealer Negativzinsen wird aber meiner Meinung nach die Aktienmärkte auch noch für einige Zeit auf einem hohen Level halten. Ich sehe durchaus für den DAX noch neue Rekordstände auf uns zukommen.

Irgendwann kippt der Markt

Aber irgendwann werden die Finanzmärkte kollabieren und das wird genau dann der Fall sein, wenn die Marktteilnehmer sich – vermehrt – fragen, ob Staatsanleihen wirklich risikolos sind und ob die Regierungen jemals ihre Schulden zurückzahlen können. Ich persönlich wünschte mir hierfür den 2.2.22 aber man kann ja nicht alles haben. Spaß beiseite, ich denke schon, daß der wilde Tanz noch zwei bis drei Jahre gut gehen kann, aber sehr viel länger eigentlich nicht.

Nur, wenn diese Frage am Tage X wirklich im Raum steht, daß von einer Mehrheit ernsthaft bezweifelt wird, ob Staaten jemals ihre Schulden zurückzahlen können, dann ist der Weg zu neuem Geld oder zu einem Währungsschnitt nicht mehr weit. Und wir werden dann wissen: Das war/ist der Preis für jahrzehntelanges ungezügeltes Schuldenmachen. So einfach ist das.

Was also tun?

Natürlich geht auch dann die Welt nicht unter. Sie wird nur anders sein. Die gleichen Leute, die gleichen Staaten, nur anderes Geld. Na ja, und auch andere Vermögen, versteht sich.

Sachwerte, Sachwerte, Sachwerte

Wer sich rechtzeitig auf ein solches Szenario einstellen will, tut gut daran, Bankguthaben auf ein Mindestmaß zu beschränken. Es werden nämlich Banken in die Pleite gehen, die das heute noch gar nicht wissen.

In inflationären Zeiten sind Sachwerte, also vor allem Unternehmensbeteiligungen, das beste Mittel gegen reale Vermögensverluste. Bei – noch überteuerten – Immobilien (von der selbstgenutzten selbstverständlich abgesehen) würde ich derzeit allerdings eher noch ein Fragezeichen setzen, da sollte ein Markteinbruch erst noch bevorstehen.

Wer sich also der Geldentwertung entgegenstemmen will, für den sind Qualitätsaktien (maximal zehn pro Depot) oder ein paar gute Investmentfonds allererste Wahl. Vorausschauendes Anlegen in Zeiten der Geldschwemme war noch nie so wichtig wie jetzt.

Bleiben Sie mir gewogen, ich bin Ihnen ebenso verbunden.
Über Anregungen für Themenvorschläge freue ich mich sehr.

Stets, Ihr
Reinhold Rombach
„Börsebius“

 

 

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