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Die große Flatter oder die Frage, wann der DAX auf 8.000 fällt.

Die große Flatter oder die Frage, wann der DAX auf 8.000 fällt.

Weltuntergangspropheten gab es schon immer. Die wird es auch immer geben, vor allem, weil sie im Einzelfall irgendwann das Glück haben, tatsächlich Recht zu bekommen. Kann aber auch schon mal hundert Jahre dauern. Oder noch länger. Der Normalfall ist aber eher der, daß die Jungs halt auch bloß ihre Bücher verkaufen wollen und je krasser die Thesen, desto mehr Fans laufen ihnen nach.

In den letzten fünfzehn bis zwanzig Jahren habe ich besorgten Anrufern, denen jeweils unter Berufung auf dieses oder jenes Götterdämmerungspamphlet die Angst in der Stimme bebte, stets
das Eine gesagt: „Die Weltwirtschaft ist so miteinander verflochten, daß ich keine Gefahr eine Absturzes sehe. Erst wenn protektionistische Tendenzen überhand nehmen, werde ich meine
Meinung ändern.“

So, jetzt haben wir aber den Salat. Ändere ich meinen Standpunkt oder stelle ich mich der Wirklichkeit? Das Zweite scheint mir das Gebotene, auch wenn es schwerfallen mag.

Also: Die protektionistischen Tendenzen sind längst nicht nur Tendenz oder verbales Säbelrasseln, sondern mittlerweile bittere Wirklichkeit. Die hat auch einen Namen und heißt Donald Trump. Der US Präsident zieht seine Sicht der Dinge gnadenlos durch und da er eben nun mal der stärkste Mann der Welt ist, weil der Mächtigste, darf uns das nicht trivial und „irgendwie beherrschbar“
vorkommen, sondern muss uns höchste Sorgenfalten bescheren. Schlimm nur, daß wir den Mann lange genug nicht ernst genommen haben, irgendwer unserer Politiker wird es schon irgendwie
auf verschlungenen Pfaden richten, glaubten wir oder wollten es glauben.

Der Protektionismus ist indes längst in der Wirtschaft angekommen und nichts anderes als die jüngste Gewinnwarnung von Daimler (wegen der bevorstehenden Zölle) bescheinigt uns diese
klare Zeitenwende. Andere deutsche exportorientierte Unternehmen werden folgen.

Aber bitte, erinnern wir uns auch an die Zeiten davor. Schon da war weiß Gott nicht alles zum Besten. In den USA ist die Zinswende längst eingeleitet und auch in Europa hat EZB-Chef Mario Draghi das Ende des unfassbar gewaltigen Anleihekaufprogrammes (QE = Quantitative Easing) angekündigt mit entsprechenden Signalen an die Kapitalmärkte, sich bitte spätestens in einem
oder zwei Jahren auch hierzulande auf steigende Renditen einzustellen. Besonders konjunkturfreundlich sind im Übrigen die nationalen Abschottungsspielchen einzelner Staaten wie Großbritannien und neuerdings Italien auch nicht.

Doch zurück zu Big Donald. Wer glaubt, da sei schon genug Porzellan zerdeppert mit den demnächst erhöhten Zöllen (zwanzig Prozent) auf deutsche Autos, wird sich noch wundern, was
alles wechselseitig noch an Straf- und Gegenstraf- und Gegengegenstrafzöllen ausgepackt wird. Und dann noch der Handelsstreit China vs. USA. Wenn der noch weiter eskaliert, dann ist aber
endgültig Schluß mit lustig in Sachen Weltkonjunktur. Ich habe keinerlei Zweifel daran, daß sich Trump seiner Verantwortung um die Zündschnur, an der er rumspielt, sehr wohl bewußt ist, nur:
es ist ihm egal. Allerdings: Wenn die Chinesen die letzte denkbare Keule auspacken, Billionen von US-Bonds und Schatzwechseln auf den Markt zu werfen, werden die Finanzmärkte kollabieren.

Und dann steht der DAX bei 8.000. Undenkbar? Nein, ganz und gar nicht. Ich wünsche mir nichts sehnlicher als in dieser Causa nicht Recht zu bekommen.

Bleiben Sie mir gewogen, ich bin es auch. Über Anregungen für Themenvorschläge freue ich mich sehr.

Stets, Ihr
Reinhold Rombach
„Börsebius“