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Die Angst vor dem großen Crash. Oder hol doch der Teufel die ganzen Jahresausblicke.

Die Angst vor dem großen Crash. Oder hol doch der Teufel die ganzen Jahresausblicke.

Ich habe sie fast alle gelesen, die Jahresausblicke, wie es kommen wird an der Börse im ersten Jahr des neuen Jahrzehnts. Und in den meisten standen dann mehr oder weniger zwei Kernaussagen:

Die längste Hausse der Welt wird irgendwann mal zu Ende gehen, warum nicht also in 2020, weil die Verschuldung eh dramatische Züge annimmt und weil die Regierungen der Lage nicht mehr Herr werden. Der Crash ist nahe, sehr nahe.

Und so weiter und so weiter.

Und dann gibt es, zweitens, die eher optimistische Fraktion, die meint, so lange die Zinsen so niedrig sind oder bleiben, so lange muss man sich vor einem Absturz der Märkte nicht fürchten. Und dann kommt der lapidare Satz „Das setzt voraus, daß sich geopolitisch keine Verschlechterung einstellt.“ Oder so ähnlich.

Wie wir nun leidvoll feststellen müssen, hält sich die Realität nicht an Prognosen. Die Tötung des iranischen Generals Kassem Soleimani erwischte die Finanzmärkte auf einem völlig falschen Fuß. Während noch zum Jahresauftakt die Börsen eher die optimistische Karte spielten, hat diese Eskalation der Irankrise genau das Gegenteil bewirkt. Kriegsängste wabern jetzt durch die Börsensäle und lassen Schlimmes für die nächsten Monate befürchten. Haben die Crashpropheten also doch recht?

Ja klar weiß ich, daß meine geschätzten Leser von mir eine Meinung für das kommende Jahr erwarten. Gar nicht so einfach. Das Nachdenken darüber hat mir die zweite Hälfte dieser Nacht geraubt und deswegen habe ich diese Kolumne in aller Herrgottsfrühe um vier Uhr geschrieben.

Contra: Stolpersteine gegen weiter steigende Kurse gibt es  genügend. Die Kriegsangst sowieso, neue Anschläge werden kommen. Der Handelskonflikt USA vs China ist noch lange nicht ausgestanden, beim Brexit weiß auch keiner den Ausgang der Verhandlungen zwischen Großbritannien und der EU. Wird die chinesische Konjunktur schlapp machen?

Pro: Solange die Notenbanken weiter die Zinsen niedrig halten, sind Aktien unschlagbar. Punkt.

Viel Contra gegen wenig Pro.  Und dennoch wage ich die Aussage, daß es unterm Strich in diesem Jahr einiges zu verlieren, aber noch mehr zu gewinnen gibt. Allerdings werden die Ausschläge erratischer. Es kann durchaus eine kluge Strategie sein, an schwachen Tagen den Mut zum Einstieg zu haben.

Hilfreich mag auch eine alte Börsenregel sein, die besagt, daß das Jahr so wird wie die erste Woche. Also erst stark, dann schwach, dann wieder stark.  Kurzum: Den Mutigen gehört die Welt. Seien Sie dabei.

Bleiben Sie mir gewogen, ich bin es auch.

Über Anregungen für Themenvorschläge freue ich mich sehr.

Stets, Ihr

Reinhold Rombach

„Börsebius“