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Börsebius zu Übernahmeangeboten oder warum die Pflege der Psychohygiene so wichtig ist

Börsebius zu Übernahmeangeboten oder warum die Pflege der Psychohygiene so wichtig ist

Guten Tag allerseits. Soll ich das Übernahmeangebot zu VTG annehmen oder nicht? Diese Frage erhalte ich in diesen Tagen gehäuft und das hat natürlich auch seinen Grund. Zunächst einmal habe ich die Logistikaktie VTG AG schon ziemlich lange in meine Börsebius TopTen Masterliste aufgenommen und wer damals eingestiegen ist, sitzt jetzt auf einem (noch) virtuellen Berg Geld in Form von erklecklichen Kursgewinnen.

Zum anderen gibt es eben zu VTG das aktuelle Angebot, die Aktie für 53 Euro dem Anleger zu entlocken. Die um 2 Wochen verlängerte Offerte kommt von der Warwick Holding GmbH und das ist eine Tochter der US-Investmentbank Morgan Stanley. Also einer ziemlich soliden Adresse (mehr dazu am Ende meiner Kolumne).

Also zunächst einmal sage ich Ihnen, was ich persönlich tun würde. Ich für meinen Teil würde „nein“ sagen, 53 Euro nicht einstreichen und mich später über ein noch höheres Angebot freuen. Meiner Meinung nach ist VTG deutlich mehr wert.

Ob Sie selbst aber das Angebot annehmen oder nicht, sollte nicht so sehr von meinem Rat abhängen, sondern von Ihrer persönlichen Psychohygiene. Ich will das gerne erklären. Es gibt Anleger, die sind mit dem Erreichten völlig zufrieden, also hier im konkreten Fall mit 53 Euro plus Gewinn bei der VTG. Die haken ihren Gewinn ab und freuen sich. Es gibt aber auch Leute, die schauen dann, obwohl die Aktie weg ist, jeden Tag nach dem Kurs, und ärgern sich – bei weiter steigenden Kursen – über dann entgangene Gewinne schwarz.

Natürlich droht auch die Gefahr, daß bei einer Nichtannahme der Offerte der Kurs wieder fällt. Dann werden sich manche die Haare raufen, ob der damaligen falschen Entscheidung und andere wiederum sehen das gelassen, dann schmilzt halt der Gewinn etwas ab.

Das Gesagte – also, wie fühle ich mich mit meinem Entschluss – gilt natürlich für alle Übernahmeangebote, die Ihnen ansonsten ins Haus schneien. Mit einer ganz wichtigen Ausnahme: handelt es sich bei der Übernahmeofferte um eine seriöse Adresse?

Dazu ist es wichtig zu wissen, daß Banken, die Übernahmeangebote in die Depots der Kunden weiterleiten, nicht prüfen, ob der Absender der Offerte windig ist oder nicht.

Genauer gesagt, sie dürfen das auch gar nicht, sondern müssen das einfach dem Depotinhaber mitteilen. Also, wenn derjenige, der das Übernahmeangebot abgibt, Ihnen völlig unbekannt ist oder irgendwie unseriös erscheint, sollten Sie vorsichtig sein. Daß dahinter möglicherweise eine eher halbseidene Firma steckt, die bloß billig an Ihre Aktien kommen will, kommt öfter vor als Sie denken. Beispiele aus der Vergangenheit könnte ich Ihnen schon einige nennen, will mir aber an dieser Stelle auch nicht die Finger verbrennen. Dann kann ich nicht mehr tippen. Das nützt niemandem.

Bleiben Sie mir gewogen, ich bin es auch.
Über Anregungen für Themenvorschläge freue ich mich sehr.

Stets, Ihr
Reinhold Rombach
„Börsebius“