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Bayer, was nun? Sturm im Wasserglas und dennoch Land unter…

Bayer, was nun? Sturm im Wasserglas und dennoch Land unter…

Was für eine arme Socke. Der Boss von Bayer hat auf der jüngsten Hauptversammlung so richtig einen verbraten bekommen. Nichtentlastung lautet die Keule, die vor allem von Aktionärsschützern gegen Werner Baumann geschwungen wurde.

Der Aufsichtsrat stellte sich dann auch pflichtschuldigst hinter Werner Baumann und verteidigte die Monsanto Entscheidung mit zwei Gutachten, die dem Vorstand bescheinigen, bei der Übernahme und der Prüfung auf Rechtsrisiken sorgfältig genug vorgegangen zu sein. Deren Inhalt wird aber dennoch nicht veröffentlicht mit dem Argument, das könne Bayer in den Glyphosat Klagen schaden. Das kann durchaus sein, ein Dilemma ist es gleichwohl.

Was bedeutet das alles aber nun für den Börsianer, der sich überlegt, Bayer zu verkaufen oder erst recht zu kaufen oder der sich wenigstens einen aktuellen Überblick verschaffen will?

Zunächst hilft der Blick auf die abgelaufene Hauptversammlung überhaupt nicht weiter. Ob der Vorstand da abgewatscht wurde oder nicht, ist dem Aktienkurs herzlich egal und außerdem hat die Nichtentlastung juristisch nicht den Hauch einer Wirkung. Dass sich einen Tag nach der HV sogar der Betriebsrat für den Vorstand in die Bresche wirft, dagegen viel mehr.

Diese Nichtentlastung und, schlimmer, eine bereits angekündigte „Erwägung“ eines Antrags auf Sonderprüfung durch den Governance-Experten Christian Strenger sind nicht mehr als ein Sturm im Wasserglas und für manche Vertreter von Fonds und sonstige Aktionärsschützer eine wunderbare Bühne zur Selbstdarstellung. Aber, cui bono?

Land unter hat Bayer vielmehr auf einer anderen Bühne zu erwarten. Und die spielt sich in den USA ab und heißt Monsanto. Bekommt Bayer die riskanten Klagen in den Griff? Oder anders: hat Bayer, hat sich der Vorstandschef mit dem Kauf von Monsanto milliardenschwer verzockt?

Bei allem Geschrei: Der Ausgang dieses Abenteuers ist – anders als es die Nichtentlastung zu wissen vorgibt – noch lange nicht geklärt. Beides ist möglich. Sowohl, dass der Monsanto Deal gut geht, als auch, dass es ein Desaster wird. Daher kann ich reinen Gewissens weder zum Kauf der Bayer Aktie raten noch zum Verkauf. Abwarten ist die Devise. Geduld ist die Mutter der Porzellankiste. Auch wenn auf der Hauptversammlung gründlich Geschirr zerdeppert wurde.

Bleiben Sie mir gewogen, ich bin es auch.

Über Anregungen für Themenvorschläge freue ich mich sehr.

Stets, Ihr
Reinhold Rombach
„Börsebius“