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Gefundenes Fressen

Gefundenes Fressen

Reich werden in wenigen Minuten, wer will das nicht. Das, was eigentlich eher in den Bereich von Märchen gehört, wurde im Juni Wirklichkeit. Wo, wann, wie?

Anfang Mai 2019: Das amerikanische Start Up „Beyond Meat“ legt den besten Börsengang seit fast 20 Jahren hin. Der Ausgabepreis von 25 Euro war schnell Geschichte, binnen Sekunden legte die Aktie einen furiosen Start hin und setzte den Sturm nach oben bis in den Juni hinein fort. In der Spitze erreichte die Aktie einen sagenhaften Kurs von 186 Dollar, das sind mehr als 600 Prozent seit dem Going Public. Wow!

Bei Beyond Meat handelt es sich um einen Hersteller von veganen Burgern, womit schon mal klar ist, welche Idee diesen Hype speist. Beyond Meat stellt quasi Fleischersatz auf pflanzlicher Basis her. Relativ neu ist, daß deren Produkte auch tatsächlich nach Fleisch schmecken sollen. Dieses Ziel schaffen die Beyond Leute mit dem Einsatz von Erbsen und Soja. Rote Beete bringen den gewünschten „blutigen“ Effekt. Na toll.

Beyond Meat ist aber in der Tat kein kleines Unternehmen, sondern wächst stark. 40 Millionen Dollar Umsatz im ersten Quartal sind ja schon ein Wort und aufs Jahr sollen es 200 Millionen werden. Eine schöne Steigerung von 140 Prozent bezogen auf das Vorjahr.

Doch sind das Zahlen, die eine derartige Kursexplosion rechtfertigen? Das fragen sich in den letzten Tagen auch schon einige Marktteilnehmer und prompt fuhren die Kurse Achterbahn.

Zunächst einmal: Ein richtiges Start Up ist Beyond Meat nicht, das Unternehmen gibt es schon mittlerweile 10 Jahre. Was mich aber am meisten an Beyond Meat stört: Ja, das ist eine riesige Wachstumsbranche mit veganen Burgern und sonstigen Fleischersatzprodukten. Aber den sogenannten USP, nach dem ich bei interessanten Aktien immer suche, gibt es bei Beyond Meat nicht. USP? Unique Selling Point. Damit ist bestenfalls ein Patent gemeint oder ein Geheimrezept, das andere nicht nachmachen können. Das scheint mir hier nicht gegeben zu sein.

Die „Gefahr“, daß demnächst ein anderes Unternehmen Beyond Meat mehr Konkurrenz macht als denen lieb ist, würde ich als ziemlich erheblich einschätzen. Glauben Sie nicht? Dann schauen Sie sich doch einfach mal „Tyson Food“ an. Die starten nämlich mit der Marke „Raised and Rooted“ bereits eine Attacke auf Beyond Meat.

Die Vermutung, daß es sich Beyond Meat um ein gefundenes Fressen für Liebhaber von Spezialitäten handelt, scheint mir also wenig fundiert zu sein. Daran ändert auch die Tatsache nichts, daß FDP Mann Lindner glücklicher Besitzer von Beyond Meat ist, also der Aktie. Die Wahrscheinlichkeit, sich an dem Titel den Magen zu verderben, ist ungleich größer. Guten Appetit, allerseits.

Bleiben Sie mir gewogen, ich bin es auch.

Über Anregungen für Themenvorschläge freue ich mich sehr.

Stets, Ihr
Reinhold Rombach
„Börsebius“