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Die verzweifelte Gier nach vermeintlicher Weisheit oder hol doch der Teufel die ganzen Jahresausblicke

Die verzweifelte Gier nach vermeintlicher Weisheit oder hol doch der Teufel die ganzen Jahresausblicke

 

Frohes Neues Jahr! Da bin ich wieder und trotz aller Widrigkeiten freue ich mich auf ein spannendes Börsenjahr und auch darauf, die nächsten zwölf Monate zu begleiten und zu kommentieren, komme, was wolle.

Komme, was wolle?

Quasi am eigenen Leib habe ich gelernt, wie groß – gerade durch Corona – die Sehnsucht vieler Börsianer auf sachverständige Aussagen sind, wie denn nun das kommende Aktienjahr werde. Zwischen den Jahren habe ich viele Mails erhalten, wie denn meine Meinung für 2021 sei und auch einige Anrufer formulierten in den letzten Tagen ihre Sorgen etwa so, „lieber Herr Rombach, in der Börsebius TopTen-Masterliste sind so viele Gewinne aufgelaufen, werden die auch das nächste Jahr überleben, was ist zu tun, sagen Sie doch mal was dazu.“

Was sagen die Experten?

Wer etwas Schlaues sagen oder wissen will, tut gut daran, sich möglichst nicht an Prognosen zu halten. Auch wenn die Gier nach vermeintlicher Weisheit auch und gerade in diesen Corona Zeiten menschlich verständlich ist. Das Problem ist nur, und die Wissenschaft hat das auch belegt, die Aussagekraft von Prognosen ist in der Realität sehr begrenzt.

Gleichwohl: Ich habe sie fast alle gelesen, die Jahresausblicke, wie es kommen wird an der Börse im zweiten Jahr des nicht mehr ganz so neuen Jahrzehnts. Ehrlich, bei vielen hatte ich den Eindruck, mehr als Copy und Paste aus dem Vorjahr war da nicht und, damit es nicht so auffällt, an vier oder fünf Stellen noch um Corona ergänzt.

Wie auch immer: In den meisten standen dann mehr oder weniger zwei Kernaussagen:

Die längste Hausse der Welt wird irgendwann mal zu Ende gehen, warum nicht also in 2021, weil die Verschuldung eh dramatische Züge annimmt und weil die Regierungen der Lage nicht mehr Herr werden. Der Crash ist nahe, sehr nahe.

Und so weiter und so weiter.

Und dann gibt es zweitens die eher optimistische Fraktion, die meint, so lange die Zinsen so niedrig sind oder bleiben, so lange muss man sich vor einem Absturz der Märkte nicht fürchten. Und im Übrigen sei Corona spätestens im Sommer/Herbst 2021 börsentechnisch „durch“. Dann gehe es aus ökonomischer Sicher wieder aufwärts. Und dann kommt der lapidare Satz „Das setzt voraus, daß sich geopolitisch keine Verschlechterung einstellt.“ Oder so ähnlich.

Was meint Börsebius?

Ja klar weiß ich, daß meine geschätzten Leser von mir eine Meinung für das kommende Jahr erwarten. Gar nicht so einfach. Das Nachdenken darüber hat mich die letzten Tage sehr beschäftigt. Wohlan, denn.

Contra: Es besteht immer noch die Gefahr, daß die Pandemie nicht so schnell bezwungen werden kann oder deren  ökonomischen Schäden viel immenser sind als bisher gedacht.

Als ebenso schwerwiegend schätze ich die weiter ungezügelte  Geldschöpfung der Notenbanken ein. Schuldenpakete noch und nöcher. Das wird uns irgendwann einmal furchtbar auf die Füße fallen, die Frage ist halt nur, wann.

Was mir echt zu denken gibt, sind die derzeitigen viele Milliarden schweren Börsengänge in den USA. Riesen IPO´s (Initial Public Offering) wie Airbnb und Zoom erleben fantastische Kursgewinne. Aber warum bloß? Airbnb verdienen bisher nichts und Zoom müsste 100 Jahre weiter wie bisher wachsen um den aktuellen Börsenkurs einigermaßen zu rechtfertigen. Völlig Banane.

Niedrige Zinsen unschlagbar?

Pro: Solange die Notenbanken weiter die Zinsen niedrig halten, sind Aktien einfach unschlagbar. Egal, was sonst so an negativen Aspekten – siehe Contra – passiert. Punkt.

Viel Contra gegen wenig Pro. Was also wiegt mehr? Und dennoch wage ich die Aussage, daß es unterm Strich in diesem Jahr einiges zu verlieren, aber noch mehr zu gewinnen gibt. Allerdings werden die Ausschläge erratischer. Es kann durchaus eine kluge Strategie sein, an schwachen Tagen den Mut zum Einstieg zu haben.

Hilfreich mag auch eine alte Börsenregel sein, die besagt, daß das Jahr so wird wie die erste Woche. Also erst stark, dann eher mau, dann wieder stark. Kurzum: Den Mutigen gehört die Welt. Seien Sie dabei.

Bleiben Sie mir gewogen, ich bin Ihnen ebenso verbunden.

Über Anregungen für Themenvorschläge freue ich mich sehr.

Stets, Ihr

Reinhold Rombach

„Börsebius“

Ps: Ach, und hier noch der Link zur Börsebius TopTen-Masterliste

Masterliste20201216.pdf (derboersebius.de)

Tags: Jahresprognose, DAX, Börse, Corona, Konjunktur, Cash, Value, Aktien, Stockmarket, Gewinne, Risiken, Pro, Contra, Börsebius TopTen-Masterliste.

 

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