Die Hausse, die keiner versteht oder doch?
Wer sich an den „Liberation Day“ Anfang April erinnert, dem bleiben die dramatischen Verluste an den Weltbörsen im Gedächtnis haften. Trumps Zollankündigungen erschütterten die Finanzmärkte in einem Ausmaß, das seinesgleichen suchte.
Auch wenn ich da schon in meiner Kolumne zur Besonnenheit aufgerufen habe, glaubten doch viele nicht, dass sich an den Börsen auch wieder sowas wie „Normalität“ einstellen könnte. Das ist mittlerweile geschehen, an den Finanzmärkten ist nicht nur Ruhe eingekehrt, sondern – vor allem – der deutsche Aktienindex DAX legte eine Erholung hin, die sich gewaschen hat. Mehr als 4.000 Punkte Plus liegen zwischen Anfang April und Anfang Mai.
Ist das eine Hausse, die keiner versteht? Es ist ja nicht so, dass Trumps Zollhammer in der großen Kasperle-Kiste verschwunden ist, da wabert ja immer noch Gespenstisches durch die Börsensäle und es ist ja auch nicht so, dass viele Unternehmen mit Gewinnzuwächsen nur so um sich werfen, sondern es ist eher das Gegenteil der Fall, eine Umsatz- und Gewinnwarnung (VW Gewinneinbruch, Daimler miese Prognose) nach der anderen folgt der aktuellen Berichterstattung.
Also Hausse, Hausse, Hausse, warum?
Was den DAX antreibt, sind in aller Schlichtheit die Umkehrung von gigantischen Zahlungsströmen. In den USA sind nicht alle nur doof, sondern ganz im Gegenteil sehr weitsichtig. Aus US Aktienfonds wurden in den vergangenen zwei Wochen alleine 15 Milliarden Dollar abgezogen. Zweimal dürfen Sie raten, wo die Kohle hingeflossen ist: nach Europa und vor allem in den DAX.
US-Anleger setzen vor allem auf die riesigen Investitionsprogramme, die in Europa, aber vor allem in Deutschland, in Rüstung und Infrastruktur gesteckt werden sollen. Während wir hier noch an diesen Paketen herummäkeln, sind andere in ihrer ökonomischen Einschätzung bereits viel weiter.
Hat sich durch die gestrige holprige Wahl von Friedrich März etwas an diesem Szenario geändert? Wie Sie wissen, machte der DAX direkt nach dem Scheitern des ersten Wahlgangs einen Abwärtsschreck von 2 Prozent minus durch.
Aber nein. Für diese Investitionsausgaben gibt es ja eine breite Mehrheit im Bundestag.
An der Börse wird also nicht die Gegenwart „bezahlt“, sondern die Zukunft. Das ist zwar eine Binsenweisheit, umso erstaunlicher ist es, dass sie immer wieder aus dem Blickfeld der Anleger gerät. Auch an den Finanzmärkten gilt, dass nur der gewinnen kann, der über den Tellerrand hinausdenkt. „It´s the economy, stupid!“.
Nämlich die der Jahre 2030 und länger. Daher: Es lebe der DAX. Es lebt der DAX!
Bleiben Sie mir gewogen, ich bin ihnen ebenso verbunden.
Über Anregungen für Themenvorschläge freue ich mich sehr.
Stets, Ihr
Reinhold Rombach
„Börsebius“
Tags: Börsebius, Börsebius TopTen-Masterliste, Börsebius TopSelect, Börsebius TopMix, Börsebius Bosses Follower Fund, DAX, Deutscher Aktienindex, Finanzmärkte
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